Fast jedes dritte österreichische Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in den von Statistik Austria erfassten Branchen setzte 2025 zumindest eine KI-Technologie ein. 2021 waren es 8,8 Prozent gewesen. Der Sprung auf 29,9 Prozent zeigt, wie schnell sich generative und analytische Verfahren verbreiten.
Die Zahl klingt nach einem breiten Aufbruch. Sie erzählt aber nur die Hälfte. Unter den Nichtnutzern hatten 77 Prozent einen Einsatz noch nicht erwogen. Zwischen den Unternehmen entsteht damit nicht nur ein Unterschied in der Technik, sondern in der Fähigkeit, neue Werkzeuge überhaupt zu prüfen.
Die Größenklassen zeigen diese Kluft. 68 Prozent der großen Unternehmen verwendeten KI, bei mittleren waren es 45 Prozent, bei kleinen 26 Prozent. Auch die Branchen liegen weit auseinander: Informations- und Kommunikationsunternehmen nutzen KI häufig, während Bau und Teile der Produktion deutlich zurückliegen.
Der Dienstleistungssektor lag mit 33 Prozent über der Produktion mit 24 Prozent. Im IKT-Sektor erreichte der Anteil rund 80 Prozent, im Bau etwa 15 Prozent. Diese Unterschiede spiegeln nicht nur Offenheit wider. Text-, Software- und Wissensarbeit lässt sich mit allgemein verfügbaren Werkzeugen schneller verändern als ein physischer Prozess, der Sensorik, Sicherheitsnachweise und Anlagenintegration verlangt.
Das ist nicht automatisch ein Versäumnis. Ein Bauunternehmen hat andere Prozesse, Daten und Margen als ein Softwarebetrieb. Nicht jeder Betrieb braucht einen allgemeinen KI-Assistenten. Problematisch wird die Zurückhaltung, wenn Unternehmen aus Unsicherheit gar nicht untersuchen, ob sich Dokumentation, Angebotserstellung, Wartung oder Kundenservice verbessern ließen.
Zusätzliche Umfragen melden höhere Werte. Eine WKO-Erhebung kommt 2026 auf 53 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen oder testen. Das widerspricht Statistik Austria nicht zwingend. „Testen“ ist weiter gefasst als amtlich erhobene Nutzung, Stichprobe und Zeitraum unterscheiden sich. Beide Zahlen in einer Grafik zusammenzuführen, ohne diese Unterschiede zu zeigen, wäre irreführend.
Für Führungskräfte ist ohnehin nicht die nationale Rangposition entscheidend. Ein Unternehmen kann mehrere KI-Tools nutzen und keinen wirtschaftlichen Nutzen erzielen. Ein anderes kann mit einem einzigen eng begrenzten System einen kritischen Prozess verbessern. Die nächste relevante Kennzahl lautet deshalb nicht Adoption, sondern produktiver Einsatz.
Die Statistik erfasst zudem keine Kleinstunternehmen unter zehn Beschäftigten. Gerade dort arbeitet ein großer Teil der österreichischen Wirtschaft. Eine Friseurin, ein kleiner Installationsbetrieb oder eine Zwei-Personen-Agentur kann KI intensiv verwenden und bleibt in dieser Zahl unsichtbar. Für die Interpretation des KMU-Landes Österreich ist diese Grenze wesentlich.
Auch die eingesetzte Technologie ist breit definiert. Sprachverarbeitung, Bilderkennung, maschinelles Lernen oder Prozessautomatisierung können unter KI fallen. Der starke Anstieg seit 2023 dürfte wesentlich mit leicht zugänglichen generativen Werkzeugen zusammenhängen; die amtliche Zahl allein zeigt aber nicht, welcher Anteil davon Chatbots, integrierte Unternehmenssoftware oder eigene Modelle ist.
Wir schlagen dafür vier Stufen vor: ausprobiert, regelmäßig genutzt, in einen Prozess integriert und mit gemessener Wirkung betrieben. Erst die letzte Stufe belegt wirtschaftliche Veränderung. Österreichs nächste Unternehmensbefragungen sollten diese Reifegrade sichtbar machen.
Für die Unternehmenspraxis genügt zunächst eine eigene kleine Bilanz: Zahl aktiver Nutzer, betroffene Prozesse, eingesparte oder zusätzlich investierte Zeit, Fehler, Beschwerden und messbarer Geschäftseffekt. Wer diese Größen nicht kennt, sollte nicht von Transformation sprechen.


