Artikel 4 des AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zur KI-Kompetenz jener Personen zu setzen, die in ihrem Auftrag mit diesen Systemen arbeiten. Die jüngsten Änderungen verlangen keinen identischen Wissensstand für alle. Das ist sinnvoll: Eine Geschäftsführerin, ein Entwickler und eine Mitarbeiterin im Kundenservice tragen unterschiedliche Verantwortung.

Ein einmaliges Webinar erfüllt den Zweck nur selten. Unternehmen brauchen eine kurze, dokumentierte Lernstrecke, die an ihren tatsächlichen Werkzeugen und Risiken ansetzt.

Woche 1: Systeme und Rollen erfassen

Das Unternehmen listet erlaubte und tatsächlich verwendete KI-Werkzeuge auf. Für jedes System werden Zweck, Datenarten, verantwortliche Stelle und betroffene Rollen notiert. Schattennutzung wird nicht durch eine anonyme Drohung bekämpft, sondern durch eine sichere Meldemöglichkeit.

Woche 2: Gemeinsame Grundlagen

Alle betroffenen Personen lernen, was das System kann und nicht kann: plausible Fehler, Datenschutz, Urheberrecht, vertrauliche Informationen und Kennzeichnung. Die Übung verwendet Beispiele aus dem Unternehmen, keine abstrakten Promptspiele.

Woche 3: Rollenbezogene Praxis

Fachabteilungen testen reale Fälle. Führungskräfte lernen Freigabe- und Eskalationswege. Einkauf prüft Verträge, Datenverwendung und Exit. IT und Datenschutz behandeln Zugriffe, Protokolle und Vorfälle. Jede Gruppe braucht nur das Wissen, das sie für ihre Entscheidungen tatsächlich benötigt.

Woche 4: Nachweis und Verbesserung

Ein kurzer Praxistest zeigt, ob Regeln verstanden wurden. Vorfälle und Unsicherheiten werden gesammelt. Die verantwortliche Stelle dokumentiert Teilnehmende, Inhalte, Datum und nächste Aktualisierung. Das ist kein Zertifikatsritual, sondern eine überprüfbare Lernschleife.

Was ein gutes Angebot auszeichnet

Ein seriöses Training nennt Zielgruppe, Vorkenntnisse, konkrete Lernziele und Übungsfälle. Es trennt Produkttraining von rechtlicher und organisatorischer Verantwortung. Anbieter sollten offenlegen, wie Inhalte aktualisiert werden. Ein bekanntes Logo oder ein Teilnahmezertifikat beweist noch keine Kompetenz.

Für externe Weiterbildungen können die Skills Schecks 2026 relevant sein. Förderfähigkeit und Qualität sind getrennt zu prüfen. Kostenlose Grundlagenangebote von Digital Austria können einen Einstieg bilden; sie ersetzen nicht die rollenbezogene Einbettung im Unternehmen.

Nach 30 Tagen sollte kein Unternehmen behaupten, „KI verstanden“ zu haben. Es sollte wissen, welche Systeme eingesetzt werden, wer wofür zuständig ist und wie Lernen fortgesetzt wird.

Quellen und Arbeitsstand